1. Malte Meistrell
Foto von Malte Meistrell, Mann mit braunen Haaren in weißem Hemd

Malte Meistrell

Promotionsthema: Planungsverfahren für die gebietsübergreifende Tourenplanung

Förderer: thyssenkrupp Schulte GmbH

Doktorvater: Prof. Dr.-Ing. Uwe Clausen

3 Fragen an Malte

Warum hast du dich für eine Promotion entschieden – speziell eine anwendungsorientierte und strukturierte Promotion?

Der wissenschaftliche Prozess hat mich schon immer fasziniert, insbesondere das strukturierte Begründen von Aussagen und Entscheidungen. Für mich macht genau dieses systematische Denken den Kern wissenschaftlicher Arbeit aus. Besonders motivierend ist der Gedanke, mit eigener Forschung eine konkrete Wissenslücke zu schließen und damit zum Forschungsstand beizutragen.

Während meiner Masterarbeit habe ich festgestellt, dass mir dieser Prozess nicht nur theoretisch liegt, sondern auch große Freude bereitet. Als Wirtschaftsmathematiker interessiert mich besonders die Schnittstelle zwischen Theorie und Anwendung: reale Probleme zu abstrahieren, mathematisch zu analysieren und die Ergebnisse wieder in die Praxis zu überführen.

Die Graduate School of Logistics bietet dafür einen idealen Rahmen, da sie wissenschaftliche Forschung mit Praxisbezug verbindet und so die unmittelbare Wirkung der eigenen Arbeit sichtbar macht. Gleichzeitig sorgt das strukturierte Promotionsprogramm mit engem Austausch für Orientierung und klare Zwischenziele über die gesamte Dauer des mehrjährigen Projekts.

Was begeistert dich an der gebietsübergreifenden Tourenplanung?

Unnötige Wege haben mich schon immer gestört. Im Alltag ist das meist nur eine kleine Unbequemlichkeit. Im unternehmerischen Kontext bedeutet jede zusätzliche Strecke jedoch reale Kosten: längere Arbeitszeiten, höhere Transportkosten und zusätzliche Emissionen.

Aus mathematischer Sicht lässt sich die Suche nach möglichst kurzen, kostengünstigen oder emissionsarmen Lieferwegen als sogenanntes Multi-Depot Vehicle Routing Problem formulieren. Dabei können mehrere Standorte Fahrzeuge einsetzen, um Kunden zu beliefern. Das Gegenstück dazu sind klassische Tourenplanungsansätze mit festen Liefergebieten, bei denen jeder Standort ausschließlich „sein“ Gebiet bedient. Mathematisch entspricht das mehreren voneinander getrennten Vehicle-Routing-Problemen.

Historisch war diese Aufteilung in feste Gebiete ein wichtiger Schritt, um Touren überhaupt planbar zu machen, weil sie die Komplexität deutlich reduziert. Wenn man stattdessen gebietsübergreifend plant und das Problem als Multi-Depot Vehicle Routing Problem formuliert, vergrößert sich der Lösungsraum drastisch. Genau darin liegt aber auch das Potenzial, denn ein größerer Lösungsraum kann auch deutlich bessere Lösungen enthalten, etwa kürzere Fahrstrecken oder effizientere Fahrzeugauslastungen.

Vehicle Routing Probleme gehören allerdings zur Klasse der NP-schweren Optimierungsprobleme. Große Instanzen lassen sich daher nicht effizient exakt lösen. Deshalb spielen in der Praxis Heuristiken, Metaheuristiken und zunehmend auch datengetriebene Ansätze eine wichtige Rolle. Für mich liegt der spannende Forschungsbereich genau darin, solche Methoden zu entwickeln, die große und realistische Planungsprobleme tatsächlich handhabbar machen und damit die Vorteile gebietsübergreifender Planung praktisch nutzbar machen.

Du bist erst kurz dabei, hast aber schon einen klaren Plan. Woran arbeitest du aktuell?

Aktuell beschäftige ich mich mit einer umfassenden Literaturrecherche zu Vehicle Routing Problemen im Straßengüterverkehr. Besonders interessiere ich mich dabei für Anwendungen im Stückguttransport sowie für die spezifischen Anforderungen der Werkstoffbranche.

Parallel dazu führe ich Gespräche mit Praktikerinnen und Praktikern aus der Branche, unter anderem mit Verantwortlichen bei thyssenkrupp Schulte. Ziel dieser Interviews ist es, ein möglichst genaues Verständnis dafür zu entwickeln, welche Anforderungen Unternehmen tatsächlich an ihre Tourenplanung stellen und welche betrieblichen Randbedingungen im Alltag eine Rolle spielen.

Auf dieser Grundlage möchte ich anschließend ein mathematisches Modell entwickeln, das diese realen Anforderungen abbildet. Da Vehicle Routing Probleme NP-schwer sind und sich große Instanzen daher nicht effizient exakt lösen lassen, liegt der Schwerpunkt anschließend auf der Entwicklung geeigneter Lösungsverfahren. Dabei interessieren mich insbesondere Heuristiken, Metaheuristiken und Machine-Learning-Ansätze, die auch für große und realistische Problemgrößen praktikable Lösungen liefern können.

Langfristig ist das Ziel, Methoden zu entwickeln, die nicht nur theoretisch überzeugend sind, sondern auch in realen logistischen Planungsprozessen eingesetzt werden können.

5 Fakten zu Malte

  1. Ich koche super gerne und habe dabei zum Leidwesen aller Mitköche sehr spezielle Vorstellung bzgl. der Schnitttechniken beim Gemüse.
  2. Ich komme eigentlich jeden Tag mit dem Fahrrad ins Büro, ungeachtet des Wetters (nur bei Glatteis wird es kritisch).
  3. Auch in der Freizeit trifft man mich gerne mal auf dem Rennrad (da aber nur bei schönem Wetter).
  4. Ich bin Dortmunder-Jung und habe, bis auf ein halbes Jahr Erasmus in Schweden, mein ganzes Leben in dieser schönen Stadt gewohnt.
  5. Ich kann es nur schwer aushalten, irgendetwas nicht zu wissen. Kein Wunder, dass Wikipedia konstant eine meiner meist aufgerufenen Apps ist.