Anfang Juli ging es für mich zur VeRoLog 2026 nach Bath in England. Nach dem Flug von Düsseldorf nach London führte die Reise mit der Bahn weiter in die historische Universitätsstadt.
Die ersten drei Veranstaltungstage (Freitag, Samstag und Montag) standen ganz im Zeichen der PhD School an der School of Management der University of Bath. Das Thema lautete „Metaheuristic Algorithms for Routing and Logistics“. In Vorträgen von Diego Cattaruzza, Anand Subramanian, David Pisinger und Roberto Roberti wurden klassische Heuristiken, Metaheuristiken, Large Neighbourhood Search sowie praktische Modellierungstipps für schnellere Solver behandelt. Die Mischung aus theoretischen Grundlagen und vielen praktischen Erfahrungen war äußerst gelungen.
Mindestens genauso wertvoll war jedoch der Austausch mit den anderen Teilnehmenden. Rund 25 Promovierende aus ganz Europa und darüber hinaus arbeiteten an ähnlichen Fragestellungen im Bereich Vehicle Routing. Dadurch ergaben sich schnell spannende Gespräche über Forschungsideen, Herausforderungen im Promotionsalltag und mögliche zukünftige Kooperationen.
Der Sonntag war konferenzfrei und bot Gelegenheit, Bath zu erkunden. Mit den römischen Bädern, der beeindruckenden Bath Abbey und der georgianischen Architektur gehört die Stadt sicherlich zu den schönsten, die ich bisher in England besucht habe. Anschließend trafen sich alle Teilnehmenden im Park, um gemeinsam Fußball und – ganz britisch – Cricket zu spielen. Die Cricket-Regeln habe ich zwar bis heute nicht vollständig verstanden, Spaß gemacht hat es trotzdem. Überraschend war außerdem das Wetter: Über 30 °C hatten mit dem typischen englischen Sommer nur wenig gemeinsam.


Am Montag ging die PhD School nahtlos in die eigentliche VeRoLog-Konferenz über. Besonders spannend fand ich einen Vortrag über die Laufzeit verschiedener Programmiersprachen: Die schlechte Nachricht lautet, dass Python tatsächlich ca. 1000x langsamer ist als C++. Die gute Nachricht, KI-Werkzeuge können Python-Code mittlerweile erstaunlich gut nach C++ übersetzen und damit einen Großteil der Performance zurückholen.
In den folgenden Tagen bot die Konferenz zahlreiche Vorträge rund um das Vehicle Routing Problem. Durch den sehr klaren thematischen Fokus fiel die Wahl zwischen den parallelen Sessions oft schwer. Tagsüber standen Vorträge auf dem Programm, abends wurde meist noch am eigenen Vortrag gefeilt, bevor wir gemeinsam essen gingen, Bath erkundeten oder die Fußballspiele der WM verfolgten.
Ein besonderes Highlight war das Conference Dinner auf der SS Great Britain. Nach einer Besichtigung des historischen Museumsschiffs konnten wir im aufwendig restaurierten Speisesaal zu Abend essen, eine außergewöhnliche Kulisse, die sicher vielen in Erinnerung bleiben wird.
Am Donnerstag durfte ich schließlich meinen eigenen Vortrag halten und war gleichzeitig Session Chair bei meiner Konferenz. Entsprechend war ich auch etwas aufgeregt, aber beides verlief reibungslos. Besonders gefreut haben mich die interessanten Fragen und das hilfreiche Feedback aus dem Publikum. Den letzten Abend ließen wir gemeinsam mit einigen anderen Promovierenden in der Innenstadt ausklingen.
Für die meisten ging es am Freitag zurück nach Hause. Für mich führte die Reise jedoch direkt weiter: Mit der Bahn nach London und anschließend per Flugzeug nach Wien zur IFORS-Konferenz, aber das wäre Stoff für einen eigenen Bericht.
Insgesamt war die VeRoLog 2026 für mich fachlich wie persönlich eine äußerst bereichernde Woche. Neben den spannenden Vorträgen werde ich vor allem die vielen Gespräche und neuen Kontakte in Erinnerung behalten. Zum Abschluss wurde bereits der Austragungsort für das nächste Jahr vorgestellt: Le Havre in Frankreich. Auch wenn die Präsentation der Stadt nicht gerade die beste Werbung war, steht für mich schon jetzt fest: Bei der VeRoLog 2027 bin ich gerne dabei.

Zum Autor:
Malte Meistrell promoviert an der Graduate School of Logistics in Kooperation mit thyssenkrupp Schulte GmbH. In seiner Promotion möchte er Routingprobleme mit mathematischer Optimierung und Künstlicher Intelligenz lösen. Die VeRoLog war seine erste Konferenz im dreijährigen Stipendienprogramm

