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DieZehn: Gründe für Circular Economy

von | 8. Juni 2020 | Die Zehn, News und Events

DieZehn: 10 Gründe warum Circular Economy gerade aufgrund der Corona-Krise die lineare Wertschöpfung ablösen sollte.

Durch die Corona-Pandemie und der damit einhergehenden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Situation ist eine veränderte Dynamik entstanden, die sich durch alle Industriezweige und Gesellschaftsschichten zieht. Trotz des Zusammenbruchs ganzer Wertschöpfungsketten, sowie zahlreicher Einschränkungen im beruflichen und privaten Bereich, sollten wir diese Krise als Chance wahrnehmen, um daraus zu lernen und es das nächste Mal besser zu machen – besser noch – es erst gar nicht erneut zu einer solchen Situation kommen zu lassen. In diesem Beitrag erfahren Sie, warum gerade eine zirkuläre Wirtschaftsweise (Circular Economy) das bevorzugte Konzept während und insbesondere auch nach der Corona- Krise ist

1. Erhöhtes Abfallaufkommen:

Die Corona-Pandemie hat starke Auswirkungen auf das Abfallaufkommen. Einerseits gibt es weniger Siedlungsabfälle, andererseits mehr Medizin- und Verpackungsabfälle. Unternehmen haben aufgrund der abgeschwächten Wirtschaft überschüssige Lagerbestände aufgebaut, die sie nun loswerden müssen. Dadurch sind sie vermehrt gezwungen in die Abfallwirtschaft zu investieren. In manchen Ländern bedeutet dies die Erzeugung von Energie durch Verbrennung. Aber es gibt auch weitaus bessere, ethisch vertretbare Optionen, mit denen „abfallreife“ Produkte weiter verwendet werden können: Circular Economy.
Damit die bisher erzielten Nachhaltigkeitserfolge (Plastikvermeidung, erneuerbare Energien, etc.) nicht verworfen werden, muss eine zirkuläre Wertschöpfung intensiver fokussiert werden. Erst dann werden wir in der Lage sein, die Funktionalitäten von Materialien in vollem Umfang auszuschöpfen und die jetzt noch überschüssigen Materialien von der Verbrennung fernzuhalten.

2. Altkunststoffmarkt leidet:

Wegen der stark gefallenen Ölpreise ist Kunststoff aktuell sehr günstig herstellbar, sodass sich Recycling kaum noch lohnt und folglich z. B. der Altkunststoffmarkt leidet. Unternehmen, die sich auf Recycling und zirkuläre Wertschöpfung spezialisiert haben, sollten daher besonders gefördert werden.

3. Ressourcenverbrauch entkoppeln:

Das Risko für weitere Pandemien wird ansteigen, wenn wir den immer noch steigenden Ressourcenverbrauch nicht vom Wirtschaftswachstum abkoppeln. Denn, wenn Menschen immer mehr in die Biodiversität eingreifen, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Krankheiten von Tieren auf Menschen vermehrt übertragen werden. Aufgrund dessen sollten zielgerichtete Konjunkturprogramme für die wesentlichen Transformationsprozesse in der globalen Rohstoff- und Materialgewinnung implementiert werden.

4. Einwegprodukte meiden:

In der aktuellen Lage besteht plötzlich das Risiko, dass der Trend wieder von Mehrweg- hin zu Einwegprodukten geht bzw. von unverpackt zu verpackt. Diese Entwicklung ist natürlich nicht nachhaltig. Sie bietet aber auch Innovationspotenzial für neue Geschäftsmodelle, die sich z. B. mit sicherem (sterilem) Austausch von Produkten beschäftigen, um das Vertrauen in Mehrwegverpackungen wieder herzustellen.

5. Digitalisierungsschub:

Die Corona-Krise hat einen Digitalisierungsschub in fast allen Wirtschaftszweigen ausgelöst. Digitale Technologien können ein wesentlicher Treiber für die Etablierung von zirkulären Wertschöpfungsnetzwerken sein, angefangen beim Produktdesign über Recyclingtechnologien bis hin zu Kommunikations- und Plattformtechnologien für eine durchgehende Transparenz in zirkulären Wertschöpfungsprozessen.

6. Lokale Kreisläufe etablieren:

Die Corona-Pandemie hat aufgedeckt, welche Nebenwirkungen und Risiken die Globalisierung mit sich bringt und wie fragil lineare Wertschöpfungsketten sind. So sind z. B. ganze Exportindustrien in unserer globalisierten Wirtschaft zum Erliegen gekommen.
Je länger die Wertschöpfungsketten werden und je mehr Stakeholder sie enthalten, desto größer ist das Risiko für einen Ausfall. Gerade jetzt, wo zunehmend lokale Produkte gefragt sind, besteht eine große Chance, eine Circular Economy mit kurzen und lokalen Kreisläufen zu etablieren. Und es gibt bereits eine Fülle an lokalen zirkulären Lösungen. Beispielsweise wurde Alkohol aus in Gaststätten nicht mehr konsumiertem Bier gewonnen, um daraus Desinfektionsmittel herzustellen. Andere Unternehmen haben ihre Ressourcen und die Nutzung der Rohmaterialien umgestellt, um daraus medizinische Schutzausrüstung herzustellen. Diese Beispiele machen deutlich, wie vielseitig die Ressourcen sind, die unsere Wirtschaft antreiben.

7. Ein Trend des Umdenkens:

Die globalen Einschränkungen haben den Alltag sowohl in der Wirtschaft als auch privat stark verändert. Positive Auswirkungen auf die Umwelt wurden sofort deutlich und die Menschen besinnen sich mehr auf Nachhaltigkeit. Dies ist eine einmalige Gelegenheit, um ressourcenschonende Lebensweisen und –praktiken in der Industrie und im Alltag zu testen und möglichst auch nach der Corona-Pandemie beizubehalten.

8. Krisen verhindern:

Die Nachhaltigkeitsziele gelten auch während der Corona-Krise und sollten gerade in dieser Zeit fokussiert werden. Denn wie schon der „New Deal“ eine Reaktion auf die Weltwirtschaftskrise Ende der 1920er Jahre war, so soll der „Green New Deal“ eine ökologische Wende in der Industriegesellschaft bringen, die umweltverträglich, wirtschaftlich tragfähig und sozial verantwortbar ist. Eine Circular Economy liefert den Treibstoff für diese Wende, indem die linearen Wertschöpfungsketten zunehmend von zirkulären Wertschöpfungskreisläufen abgelöst werden, so dass Krisen in dieser Größenordnung in Zukunft verhindert werden können.

9. Wohlstand sichern:

Eine hohe Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit ist das Rückgrat jeder Industrienation. Um auch weiterhin unseren Wohlstand zu sichern, müssten jedoch die geplanten mittel- und langfristigen Hilfsmaßnahmen für die Wirtschaft nicht nur konjunkturelle Impulse auslösen, sondern auf unser gemeinsames Ziel einzahlen: eine klimaneutrale sowie widerstandsfähige Wirtschaft und Gesellschaft, deren Wohlstand nicht vom Verbrauch endlicher Ressourcen abhängt.

10. Übergang einleiten:

COVID-19 hat die Bedeutung des persönlichen Wohlergehens stark gehoben, vielleicht sogar über die des Wirtschaftswachstums. Die Pandemie hat die Ineffizienz unserer „take-make-waste“-Ökonomie enthüllt. Am 31. Mai 2020 ist die Crew der SpaceX-Rakete an die internationale Raumstation ISS angedockt, von wo man sehr gut die Grenzen unseres Planeten sehen kann. Damit wir und zukünftige Generationen noch was von diesem Planeten haben, ist es vielleicht an der Zeit, unser Wirtschaftsmodell zu überdenken und den Übergang hin zu einer lokalen und zirkulären Wirtschaft endlich großflächig einzuleiten.

Wir haben ein Umdenken und Handeln selbst in der Hand. Aus der aktuellen Krise können wir Chancen ziehen. Das aktuelle Chaos ermöglicht eine schnelle Transformation und wir alle sind davon betroffen. Jetzt heißt es: Machen!

Unser Experte:

Denis Daus

Lehrstuhl für Unternehmenslogistik LFO

TU Dortmund

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