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DieZehn: Smart-Maintenance in Zeiten von Corona

von | 19. Mai 2020 | Die Zehn, News und Events

Die Smart Maintenance beschreibt die Entwicklung der Instandhaltung im Zeitalter der Digitalisierung und Industrie 4.0. Dabei befasst sich die Smart Maintenance mit dem strategischen, taktischen und operativen Management von industriellen Produktionseinrichtungen. Sie hat einen unmittelbaren Einfluss auf die Faktoren Zeit, Kosten, Qualität und Flexibilität eines Produktionssystems.

Besonders während einer Pandemie ist es wichtig, ungeplante Störungen in der Produktion von wichtigen Produkten, wie beispielsweise Atemschutz-Masken oder Bauteile für die Herstellung von Beatmungsgeräten, zu vermeiden. Aber es gibt noch mehr Aspekte für die Weiterentwicklung zur Smart Maintenance. Wir haben hier „DieZehn“ für Sie zusammengefasst.

1. Die intelligente Instandhaltung weiter forcieren – Wer soll es denn sonst machen?

Die Instandhaltung erfährt seit Jahren eine immer größere Wertschätzung. Unternehmen erkennen, Verfügbarkeit lässt sich nur mit intelligent agierenden Instandhaltern erhalten und steigern. Nahezu jede Veränderung in der Produktion erfolgt mit oder durch die Instandhaltung. Dementsprechend sind gerade jetzt Instandhalter gefordert, wenn es um die Umstellung der Produktion geht.  Weil es ohne sie nicht geht. Weil es sonst keiner machen kann.

2. Desinfektionsmittel statt Whiskey, Atemschutzmasken statt BHs produzieren

Zahlreiche Beispiel belegen, was niemand für möglich gehalten hätte. Die Produktion lässt sich viel stärker verändern als gedacht. Unternehmen produzieren erfolgreich Produkte, die aus verschiedensten Gründen niemand erwartet hätte. Dabei kommt der Instandhaltung eine entscheidende Bedeutung zu, denn wer im Unternehmen könnte besser beurteilen, welche Veränderungen an den Produktionsanlagen möglich und erforderlich sind: Intelligente Instandhalter.

3. Auf veränderte Lieferketten reagieren

Jetzt zeigt sich: Die Abhängigkeit unserer Produktion von globalen Lieferketten kann zu unangenehmen Engpässen führen. Politiker fordern, dringend benötigte Produkte lokal zu fertigen. Hier ergeben sich neue Möglichkeiten und Anforderungen. Produktionskapazitäten müssen zurückgeholt oder neu geschaffen werden. Längst ist der Mehrzahl der produzierenden Unternehmen klar, das kann nicht ohne Berücksichtigung der Instandhaltung erfolgen. Unabhängig davon, ob wir über die Beschaffung, den Transfer von anderen Standorten oder die Ertüchtigung alter Anlagen sprechen, die Instandhalter werden überall mitsprechen müssen.

4. Permanent Anlagenzustände erfassen – von überall

Das permanente Erfassen des Maschinenzustandes ist ein wichtiger Aspekt der Smart Maintenance. Das sogenannte Condition Monitoring basiert auf Messungen und Analysen von physikalischen Größen. So sind zum Beispiel Änderungen bei Schwingungen, der Temperatur von Bauteilen oder der Ausrichtung von Elementen zueinander wichtige Indikatoren für mögliche Störungen. Abweichungen werden durch Sensoren erfasst und gemeldet. Der Vorteil: Die Daten müssen nicht an der Maschine abgelesen werden, sondern können via Laptop im Büro oder Homeoffice angezeigt werden. Die Mitarbeiter müssen also nicht permanent vor Ort sein – im Sinne der aktuellen Sicherheitsbestimmungen ein klarer Pluspunkt.

5. Wissen managen

Was tun, wenn der vermeintlich einzige Experte erkrankt und längere Zeit ausfällt? Da bringt ein Condition Monitoring von Zuhause auch nichts. Deswegen baut Smart Maintenance auf einem strukturierten und umfangreichen Wissensmanagement auf. Produktions- und Instandhaltungsprozesse werden genau festgehalten. Durch die Analyse der Zustandsdaten können Assistenzsysteme Vorschläge für eine Instandhaltungsmaßnahme geben. Diese, sowie eine große Wissensbasis über Abläufe helfen bei wichtigen Entscheidungen, wenn durch Personalausfälle die Situation nicht mehr zu überblicken ist. Denn mit einem passenden Wissensmanagement sind nicht mehr nur wenige im Unternehmen informiert und handlungsfähig. Wenn Mitarbeiter ausfallen, stehen dem übrigen Personal Informationen und Detailwissen digital zur Verfügung.

6. Vorausschauend agieren

Ein wesentlicher Bestandteil der Smart Maintenance ist Predictive Maintenance, die vorausschauende Wartung. Plötzliche, unerwartete Störungen an Produktionsanlagen werden verhindert. Anhand der aktuellen Zustandsdaten der Maschinen und Anlagen werden der wahrscheinliche Zeitpunkt für mögliche Störungen und der beste Wartungszeitpunkt vorausgesagt. Warum das gerade in der aktuellen Situation von Bedeutung ist: Weil vorausschauendes Agieren immer entscheidende Vorteile bringt, wenn die Gesamtsituation schnelles Handeln erfordert. Ersatzteile müssen für vorbeugende Maßnahmen bestellt werden, für ein Kühllager sind wichtige Teile nur noch zwei Monate betriebsbereit oder Produktionsanlagen müssen umgerüstet werden, da Verschleißteile ihre Verschleißgrenze erreicht haben.

7. Kurzfristig handeln

Smart Maintenance liefert jederzeit eine Übersicht über Instandhaltungsmaßnahmen, die sofort durchgeführt werden können, wenn Anlagen kurzfristig dafür zur Verfügung stehen.  Denn es geht nicht nur um das Ausschöpfen der Abnutzungsvorräte von Bauteilen, sondern auch darum, zum passenden (Stillstands-)Zeitpunkt alle geeigneten Maßnahmen möglichst koordiniert durchzuführen. So wie man beim Zahnriemenwechsel eben auch die Wasserpumpe im Auto mit tauscht. Auch wenn natürlich die gegenwärtige Situation ganz andere Herausforderungen mit sich bringt, die Prüfung, welche (vielleicht bereits lange überfälligen) Maßnahmen in der Instandhaltung jetzt ergriffen werden können, bietet auch eine Chance.

8. Neue Technologien weiter fördern

So wie wir durch das vielfach notwendige Home-Office lernen, auf Vor-Ort Termine und Meetings zu verzichten, so gilt eine Umstellung in ähnlicher Weise auch für die Instandhaltung. „Das haben wir noch nie so gemacht!“ hilft nicht weiter, wenn die Service-Techniker nicht anreisen dürfen und sich remote auf die Anlage aufschalten wollen. Wenn wir gezwungen sind, uns auf neue Prozessabläufe und Geräte einzulassen, dann stellen wir auch Vorteile fest.  Die Diskussionen über die Einführung von neuen Technologien und Abläufen bekommen zwangsläufig eine andere Bedeutung, wenn wir in kritischen Zeiten merken, dass Althergebrachtes nicht mehr funktioniert. Die Instandhaltung war bereits in der Vergangenheit ein Vorreiter für die Einführung neuer Technologien, wie Remote-Services, Augmented-Reality oder mobile Endgeräte. Die Unternehmen, die hier bereits in der Vergangenheit aktiv waren, profitieren jetzt.

9. Mitarbeiter weiter motivieren

Neue Technologien wie mobile Endgeräte, Augmented Reality oder der Hype um Künstliche Intelligenz finden insbesondere in der Instandhaltung eine hervorragende Anwendung. Gerade jüngere Mitarbeiter sind begeistert, wenn die Elemente aus der Gaming-Welt sich auch im Betrieb anwenden lassen.  Gegenwärtig ist nicht der richtige Zeitpunkt für aufwendige Neuanschaffungen? Mehr als verständlich. Aber möglicherweise ist es der richtige Zeitpunkt, um auch die Werkstatt einmal neu zu streichen und die Möbel auf Vordermann zu bringen? Auch ein Instandhalter fühlt sich wertgeschätzt, wenn er nicht in einem Ambiente aus den 1980er Jahren arbeiten muss. Und das kostet nicht viel – aber es setzt ein Zeichen.

10. Sich nicht verunsichern lassen – auf dem Weg zur smarten Instandhaltung

Niemand kann sagen, wie Tief das Tal sein wird, in das wir fallen werden. Vielleicht gibt es kritische Stimmen, die die Elemente der Smart-Maintenance in Frage stellen. Aber auch zukünftig werden eine zuverlässige Produktion mit hoher Anlagenverfügbarkeit entscheidende Kriterien sein, um in Deutschland produzieren zu können. Lassen Sie nicht nach in dem Streben nach einer smarten Instandhaltung.

Unser Experte:

Dr. Thomas Heller
Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML
thomas.heller@iml.fraunhofer.de

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