Zu Beginn eines jeden Dissertationsvorhabens steht ein Exposee, das Forschungsexposee. In diesem Dokument legen die angehenden Promovenden dar, welches Thema sie bearbeiten und welche Methoden, Ansätze und Quellen sie nutzen wollen. Ziel ist es, die Betreuenden und den Promotionsausschuss von der Relevanz des Forschungsvorhabens zu überzeugen.

Selbsterkenntnis

Es dient vor allem aber auch der eigenen Strukturierung, da sich angehende Promovierende beim Verfassen des Exposees intensiv mit ihrem Thema, einer zielführenden Herangehensweise und ihrem konkreten Zeitplan beschäftigen. So wird das eigene Vorgehen auch für sie selbst klarer. 

Wissenschaftliches Dokument

Im Kern ist das Exposee eine kleine wissenschaftliche Arbeit und sollte deshalb nach den Maßstäben des guten wissenschaftlichen Arbeitens umgesetzt werden. Dazu gehören fundierte Quellenangaben, korrekte Zitation sowie eine strukturierte und methodische Vorgehensweise.

Eine mögliche Struktur könnte so aussehen:

  1. Deckblatt
  2. Forschungsthema und Forschungsansatz
  3. Stand der Technik (Theoretischer Hintergrund)
  4. Forschungsmethodik
  5. Zeit- und Arbeitsplan
  6. Literaturverzeichnis

Das Deckblatt enthält den Titel, die wichtigsten Angaben zur Person und ein Datum.

Forschungsthema (Was?)

Im Exposee müssen die leitende Fragestellung und die Zielsetzung des Dissertationsvorhabens deutlich dargestellt werden. Dabei sind drei Aspekte entscheidend:

  • Thematischen Abgrenzung
  • Einordnung in die Forschungslandschaft
  • Aktualität und Relevanz des Themas

Bei der Ausarbeitung können vier Fragen helfen: Welche ist die aktuelle Forschungslücke und wie kann ich diese belegen? Wie fügt sich das Thema in mein Forschungsumfeld ein? Warum ist jetzt der richtige Zeitpunkt dieses Thema genauer zu untersuchen? Welche Hypothesen kann ich aufstellen?

Der Stand der Technik (oder auch der theoretische Hintergrund) bietet eine Grundlage für Argumente, thematische Abgrenzungen und eine Relevanz des Themas. Hier wird eine enge Arbeit an bestehender Literatur empfohlen.

Forschungsmethodik (Wie?)

Die Forschungsmethodik ist besonders wichtig, denn sie bildet das Fundament für eine schlüssige Ausarbeitung. Mit welcher Theorie oder Methodik können meine Hypothesen überprüft werden? Wie sind Forschende bei ähnlichen Fragstellungen vorgegangen? Die Forschung bietet bereits zahlreiche Methodiken, sodass nicht jeder eine eigene entwickeln muss. Viel entscheidender ist, hier auch direkt zu zeigen, dass man sich intensiv mit den aktuellen Forschungsständen auseinandergesetzt hat und die Methodik auf Basis eines hinreichenden, wissenschaftlichen Hintergrundes gewählt hat.

Formulierung

Ein Exposee sollte grundsätzlich sachlich, präzise und verständlich formuliert sein. Bei einem Umfang von nur wenigen Seiten, müssen die Inhalte auf den Punkt gebracht werden und dabei dennoch fachlich und sachlich korrekt sein.

Zeitplan

Ein Forschungsexposee ist erst dann vollständig, wenn ein Zeitplan hinzugefügt wird. Dieser sollte realistisch sein und sich an den gegebenen Rahmenbedingungen für die Promotion orientieren. Promovierende, die im Rahmen von Graduiertenkollegs promovieren, sollten in der Regel nach drei Jahren abschließen. Promovierende, die neben einem Vollzeitjob promovieren, benötigen mehr Zeit.

Bewertung

Die Betreuenden bewerten nicht nur den forschungsrelevanten Gehalt des Vorhabens, sondern auch dessen Machbarkeit. Da das Exposee zu Beginn des Promotionsvorhabens formuliert wird, ist allen Beteiligten klar, dass sich Struktur, Thesen und Fragestellungen im Laufe des iterativen Prozesses ändern können.