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Rückblick: Prof. Axel Kuhn zum Profil der GSofLog vor 10 Jahren

von | 27. Januar 2020 | News und Events

„Atomare Services“, „serviceorientiertes Design der Logistik“, „das Internet der Dinge“, „schrittweise zur Selbststeuerung“ auf dieser Basis wurde die Graduate School of Logistics vor über 10 Jahren gegründet. Schon damals konnte die Logistikforschung die anbrechende Dekade der Silicon Economy voraussagen. Einen ausführlichen Einblick in das wissenschaftliche Konzept gibt Prof. Axel Kuhn, Gründer und Ideengeber der GSofLog, anlässlich des großen Jubiläums.

DIE WISSENSCHAFTLICHE GRUNDIDEE ZUR

GRADUATE SCHOOL OF LOGISTICS

Prof. i.R. Dr.-Ing. Axel Kuhn

Profil und wissenschaftliches Konzept

Inhaltlicher Schwerpunkt der Graduate School of Logistics ist die Vereinigung der Gestaltung von Anlagen, Systemen, Standorten der Wertschöpfung und der Dienstleistungen und des Managements der Logistik mittels der IT – der Entwurf eines ganzheitlichen Logistik- und IT-Designs – im Sinne integrierter serviceorientierter Architekturen.

Wesentliche Impulse für die Entwicklung der Logistik kamen und kommen aus der Entwicklung der Informationstechnologie. Es sind aber auch fundamentale Überlegungen und Erkenntnisse, welche die Logistik und die Informatik immer wieder zusammenführen. Das wichtigste Thema, das beide Disziplinen zurzeit umtreibt, ist die Neugestaltung des klassischen Supply Chain Managements.

Das Design von Supply Chains oder Supply Networks bekommt in der Zukunft eine ähnliche Bedeutung wie beispielsweise das Produktdesign. Supply Chains werden mit modernen IT-basierten Hilfsmitteln unter Beachtung unternehmensstrategischer Vorgaben entworfen, durch umfassende Wissensdatenbanken vervollständigt und geprüft und über die Kombination innovativer Basistechnologien auf physischer und virtueller Seite umgesetzt.

In diesem Zusammenhang steht der Grundgedanke des serviceorientierten Designs der Logistik, welcher auf einer serviceorientierten Architektur basiert. In Prozessketten werden kleinteilige, atomare Services bestimmt, die im Vergleich zu den existierenden, relativ festgefügten Prozessketten nur lose untereinander gekoppelt sind. Da die Reihenfolge des Aufrufs nicht vorbestimmt ist, kann eine große Menge unterschiedlicher Prozesse (bzw. „Serviceketten“) abgebildet werden, ohne die einzelnen Services selbst zu ändern. In Ergänzung des klassischen Prozessketten-Managements werden Selbststeuerungsinstrumente existieren, die eine Zielerfüllung in einem gegebenen Kosten- und Zeitrahmen mit definierter Wahrscheinlichkeit erreichen. Mit anderen Worten wird die relative Sicherheit eines alles voraus denkenden Supply Chain Managements um eine vorhersehbare Flexibilität eines serviceorientierten Designs erweitert. Diese Entwicklung wird getragen durch die Erkenntnis, dass es in Zukunft wesentlich wichtiger sein wird, die Flexibilität logistischer Systeme sicher zu stellen, als ein Optimum für eine dezidierte Konstellation zu bestimmen, die niemals exakt so eintreffen wird, wie sie berechnet wurde.

Das neue serviceorientierte Design der Logistik erfordert neue Mechanismen zur Entscheidungsunterstützung und notwendigerweise neue Wege, diese neue „Logistikwelt“ zu modellieren. Modellierung erfolgt über die Nutzung standardisierter Elemente, jedoch existieren bis heute keine vollständigen Modelle logistischer Systeme. Vollständige Modelle entstehen durch Abstraktion und ermöglichen die notwendige Komplexitätsbeherrschung. Über die serviceorientierte Modellierung auf Basis atomarer Services wird Wissen für die Zukunft nutzbar gemacht und ein neuer Weg erschlossen, logistische Systeme zu steuern oder Netzwerke zu lenken.

Atomare Services als kleinste Bausteine logistischer Abläufe eines serviceorientierten Designs der Logistik lassen sich, ähnlich wie Prozesskettenelemente, in ihrer Funktion standardisieren. Die Reihenfolge ihres Aufrufs innerhalb eines begrenzten Systems ist jedoch nicht mehr vorgegeben und im Wesentlichen durch die aktuelle Anordnung physischer Komponenten (Topologie) bestimmt. Diese Topologie kann den wechselnden Bedarfen flexibel angepasst werden, ohne die Services ändern zu müssen.

Da die Reihenfolge des Aufrufs der Services innerhalb eines Anwendungsbereichs nicht vorhersagbar ist, entsteht die Herausforderung, allgemeingültige Schnittstellen zu implementieren, deren Anzahl und Komplexität mit der Anzahl der Services überproportional steigen wird. Eine Möglichkeit, diese Schnittstellen zu überbrücken, liegt in dem Grundgedanken, alle Informationen, die zum Aufruf und zur Parametrierung benötigt werden, unmittelbar am Gut bzw. im logistischen Objekt zu speichern. Diese in Verbindung mit RFID als Internet der Dinge bezeichnete Steuerungsphilosophie findet so ihre logische Fortsetzung.

Absehbar ist zudem, dass das serviceorientierte Design der Logistik auch Auswirkungen auf die physische Logistik haben wird. Ob es sich um flexibel einsetzbare „zellulare Transportsysteme“ oder um die Agenten-basierte Steuerung logistischer Netze handelt, in allen Bereichen zeigt sich schon heute die Wirkung einer neuen Philosophie im Sinne dieses serviceorientierten Designs der Logistik.

Wesentlich für die praktische Umsetzung des beschriebenen Forschungsleitbildes ist ein Vorgehensmodell für eine sukzessive Annäherung an das finale Forschungsziel einer serviceorientierten Logistik. Zwischenlösungen auf dem Weg zu einer Selbststeuerung ganzer Systeme oder Netzwerke sollen sich dabei pragmatisch an dem Machbaren orientieren (Angewandte Forschung) und so den Übergang von zentralen Steuerungsinstanzen zur Selbststeuerung schrittweise ermöglichen.

Auf Basis des zugrundeliegenden Gedankens eines serviceorientierten Designs der Logistik werden die Themenfelder der Graduate School of Logistics definiert.

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