Mensch.Technologie.Zukunft – Arbeitswelt der Zukunft:
Die Logistikbranche steckt mitten im Strukturwandel. Automatisierung, Autonomisierung, Künstliche Intelligenz und Robotik stoßen aus Angst vor dem Job-Verlust auf Gegenwehr. Der Wandel findet aber evolutionär und nicht revolutionär statt. Niemand fällt aus dem System und wird heute gegen einen Roboter ersetzt. Rollen verändern sich schrittweise und Mitarbeitende wachsen mit der Technologie.
In den nächsten 10-15 Jahren wird ein natürlicher Automatisierungszyklus stattfinden. In Deutschland gehen bis 2035 rund 30 Prozent der Arbeitskräfte in Rente. Viele dieser Jobs sind repetitive Tätigkeiten, die automatisierbar und autonomisierbar sind. Automatisierung ersetzt nicht Menschen – sie ersetzt Lücken, denn der Fachkräftemangel ließe an vielen Stellen ohnehin keine Nachbesetzung zu.
Übergangsphase
Heute werden keine Jobs verschwinden, sondern einzelne Tätigkeiten von Technologie übernommen. Dazu gehören deutlich regelbasierte, repetitive und sensorisch einfache Aufgaben. Beispiele sind manuelle Dateneingabe, einfache Qualitätskontrollen, einfache Kommissionieraufgaben oder Standarddisposition. Diese Tätigkeiten werden nicht „morgen“ ersetzt, sondern schrittweise, abhängig von Infrastruktur, Return on Invest und Prozesskomplexität.
Die Übergangsgeneration weiß heute bereits, dass sich der Job verändern wird und die Automatisierung kommt. Dementsprechend haben sich die Ausbildungsprogramme bereits angepasst. Auf dem Plan stehen mehr Prozessverständnis, Systembedienung und Datenkompetenz. Der Wandel ist also eine tiefgreifende Transformation der Tätigkeiten, Kompetenzen und Verantwortlichkeiten und erfolgt in einem Generationswechsel über viele Jahre.
Im Ergebnis wird es in einigen Jahren klassische Berufsbilder, wie reine Kommissionierjobs, Staplerfahrer*innen, Disponent*innen oder Datenerfasser*innen, so kaum noch geben. Diese Positionen entwickeln sich zu KI-Supervisor*innen, Robot Operations (RobOps), Simulationsdesigner*innen oder Multi-Skill-Logistikfachkräfte, die mehrere Tätigkeiten koordinieren und Prozesse orchestrieren. Arbeit wird weniger körperlich, weniger repetitiv, weniger fehleranfällig und ist damit auch länger ausübbar.
Schon heute sehen wir in Produktionen zwei gleichwertige Stationen, eine bedient durch Mitarbeitende, eine bedient durch einen Roboter. Diese sozialverträgliche Automatisierung ist aber nicht nur in Sozialplänen oder der Unternehmenskultur begründet. Neue Technologien und Robotik müssen zunächst getestet werden. Dieses Dual Operations Model reduziert Risiken und erlaubt Automatisierung, wenn sie wirtschaftlich sinnvoll ist. Deshalb ist dieses Transformationsmodell das bevorzugte in Deutschland.
Eine Frage der Generation
Der sogenannte Skill-Shift ist aber nicht nur technologiegetrieben, sondern auch durch die veränderte Erwartungshaltung junger Generationen. Die Generation Z (und jünger) ist digital aufgewachsen, ist es gewohnt mit Systemen, statt Werkzeugen zu arbeiten und nicht bereit körperlich anstrengende und monotone Arbeit zu verrichten.
Junge Generationen fragen explizit nach Robotik, KI und Automatisierung, der Wandel ist also zwingend notwendig. Arbeit wird kognitiver, koordinativer und systemischer und genau diese Eigenschaften suchen junge Menschen. Fachkräfte werden zu Tech-Fachkräften und diese Zukunft der Facharbeit ist attraktiv.
Auch wenn der Skill-Shift über Jahre und Generationen erfolgt, bleibt keine Zeit zu warten: Schon heute müssen Unternehmen entscheiden, welche Tätigkeiten transformiert, ersetzt oder neu geschaffen werden – und wie sie den demografischen Übergang strategisch nutzen, statt ihm hinterherzulaufen.

Die Autorin:
Britta Scherer ist die Leiterin der Geschäftsstelle der Graduate School of Logistics und Executive Director Communications & Strategy. Für die neue redaktionelle Reihe „Mensch.Technologie.Zukunft“ beleuchtet sie unterschiedliche Entwicklungen, Trends und Themen, die Industrie und Wissenschaft aktuell beschäftigen.
