Es geht nicht ohne Streit
Teampsychologie funktioniert, indem sie die unsichtbaren sozialen Prozesse in Gruppen erklärt: Vertrauen, Sicherheit, Rollen, Konflikte und gemeinsame Normen. Wenn diese Faktoren stimmen, arbeiten Teams messbar besser.
Ein Blick in die Praxis:
Im Kern spielen drei Formen von Vertrauen eine Rolle: Selbstvertrauen, Zukunftsvertrauen und Vertrauen in andere. Google fand im Project Aristotle heraus, dass erfolgreiche Teams vor allem eines haben: eine angstfreie Atmosphäre, in der Fehler erlaubt sind und sich niemand scheut, sich zu äußern. Zusätzlich müssen alle Teammitglieder darauf vertrauen, dass andere zuverlässig handeln und sich engagieren.
Hört sich gut an und wie kommen Führungskräfte dahin? Die Antwort ist einfacher als gedacht: Lass die Dinge ihren natürlichen Lauf nehmen.
Phasen der Teamentwicklung
Der US-Psychologe Bruce Tuckman hat die Phasen von Teamentwicklung definiert. Das Interessante dabei: Es geht nicht ohne Streit.
Forming oder die Orientierungsphase:
Ob nun ein ganzes Team neu aufgestellt wird oder einzelne Teammitglieder hinzukommen, es braucht immer eine Kennenlernphase, in der man sich quasi „beschnuppert“ und hier schwingt viel Unsicherheit mit. Es gibt noch keine klaren Strukturen, Rollen oder Zuständigkeiten. Es ist unklar, wie die anderen ticken, was sie können und ob man sich mag.
Aufgaben der Führungskraft sind hier das Abstecken eines Rahmens und Orientierung geben. Stellt die Teammitglieder einander vor, bietet Raum für einen Austausch, habt Geduld und versucht die Unsicherheit zu reduzieren.
Storming oder die Konfliktphase:
Es gibt Meinungsverschiedenheiten und Diskussionen oder Machtkämpfe, die dabei helfen Rollen und Verantwortlichkeiten einzuordnen. Streit hilft Menschen, ihre Persönlichkeit sichtbar zu machen, Grenzen zu klären und ihren Platz im sozialen Gefüge zu finden. Unterschiedliche Meinungen müssen kein Problem sein und können das gesamte Team beflügeln.
Hier sollte die Führungskraft als Moderator*in fungieren und dabei helfen, Konflikte konstruktiv zu lösen. Nur ein konstruktiver Streit bringt die gewünschte Wirkung.
Norming oder Organisationsphase:
Das Team findet in einen Rhythmus und akzeptiert Regeln, Normen und Arbeitsweisen. Die Zusammenarbeit etabliert sich und damit steigt die Leistungsfähigkeit.
Normen, die nicht bewusst gestaltet werden, entstehen zufällig – oft nicht zum Vorteil des Teams. Deshalb sollten Führungskräfte diese Phase bewusst zur transparenten Gestaltung nutzen. Dafür braucht es Antworten auf die Fragen: Wie gehen wir mit Fehlern um? Wie treffen wir Entscheidungen? Wie äußern wir Kritik? Wie priorisieren wir Aufgaben?
Performing oder Leistungsphase:
Das Team arbeitet synergetisch und produktiv zusammen, organisiert sich selbst, verfolgt gemeinsame Ziele.
Autonomie steigert Motivation und Leistung, deshalb zieht sich die Führungskraft jetzt bewusst ein Stück zurück. Zu den Aufgaben gehört es, dem Team den Rücken freizuhalten, die Ressourcen sicherzustellen (Zeit, Budget, Informationen), Konflikte früh zu erkennen, Erfolge sichtbar zu machen und die Teamkultur zu pflegen.
Das Modell besteht aus fünf Phasen. Die Auflösungsphase spielt hier aber keine Rolle.
Dieses Modell führt uns die Teamdynamik vor Augen. Führungskräfte können erkennen, in welcher Phase sich ihr Team befindet. Konflikte sind völlig normal und notwendig, um eine dauerhaft gute Zusammenarbeit zu etablieren. Begleitet werden die Phasen durch strategische Unterstützung der Führungskraft, Wertschätzung und Reflektion.
Teams sind dynamisch, nicht statisch. Kultur ist ein lebender Prozess und nicht stabil. Normen müssen deshalb dauerhaft gestützt werden, psychologische Sicherheit stetig gefördert werden und es braucht neue Ziele für kontinuierliche Performance.
An die Führungskräfte (der Zukunft):
Teamkultur ist wie ein Garten: Sie wächst von selbst, aber Kontinuität hält sie gesund. In sich ständig verändernden Teams sollte Führung eine Konstante sein, die Halt gibt, Streit erlaubt sowie Ziele und Normen sichtbar macht. Zeigt Kontinuität und versteht Kultur als Prozess, nicht als Zustand.
