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Wissenshäppchen #3: Smart Contract

Ohne Blockchain kein Geschäft heißt es in den Medien. Basis dafür sind die sogenannten „Smart Contracts“. Ein Begriff, der erstmalig 1993/94 geprägt wurde und sich durch intelligente Verträge übersetzen lässt. Intelligent, weil ein Smart Contract automatisch und zukünftig auch autonom abgewickelt werden kann. Dabei handelt es sich nicht um Verträge im juristischen Sinn, sondern vielmehr um programmierte Wenn-Dann-Bedingungen. Tritt ein bestimmtes Ereignis ein, wird eine vordefinierte Handlung ausgelöst. Smart Contracts basieren auf der Blockchain-Technologie und benötigen keine menschliche Überwachung oder die Beteiligung dritter Parteien wie etwa Notare und gewährleisten trotzdem Rechtssicherheit. Smart Contracts können viele manuelle Tätigkeiten automatisieren und so in erheblichem Umfang Kosten einsparen.

Das grundlegende Konzept eines Smart Contracts existiert schon lange. Als einfaches Beispiel wird gerne der Kauf eines Getränks am Automaten genannt. Nach einem Münzeinwurf wird automatisch ein Getränk ausgeworfen. Es gibt keinen Kassierer oder einen anderen Vermittler bei diesem Prozess. Ein Smart Contract ist ein Vertrag auf Software-Basis, bei dem unterschiedlichste Vertragsbedingungen hinterlegt werden können. Während des Vertragsverlaufs können bestimmte verknüpfte Aktionen (z. B. Ausgabe Getränk) selbsttätig ausgeführt werden, wenn ein entsprechender Auslöser (z. B. Bestätigung Geldeinwurf) vorliegt.

Heute, auf dem Weg in die neuen Plattformökonomie, der Silicon Economy, wird das Prinzip der Smart Contracts natürlich wesentlich komplexer gedacht, auch wenn die grundsätzliche Idee bestehen bleibt. Durch die dezentrale Speicherung und Authentifikation von Verträgen anhand der Blockchain-Technologie oder auch den Einsatz digitaler Währungen wie dem BitCoin, hat das Potenzial von Smart Contracts in jüngerer Zeit stark zugenommen. Ein Beispiel aus der Logistik: Temperaturdaten können beispielsweise über einen Sensor oder ein IoT-fähiges Device, angebracht an eine Kühl-Transport-Box, in regelmäßigen Abständen über das Internet in die Blockchain gespeist werden. Tritt ein Warenschaden aufgrund von Temperaturschwankungen ein, ist die Beweiskette über die Blockchain transparent. Fällt der Schaden in den Verantwortungsbereich eines Logistikdienstleisters, kann dieser unmittelbar eine Entschädigung auszahlen. Ist der Zustand der Ware einwandfrei, werden der Eingang und die Weiterverarbeitung bestätigt und der Zahlungsprozess automatisch angestoßen.

Durch den Einsatz von Blockchain wird jede Transaktion zunächst von einem Rechnernetzwerk validiert, anschließend wird die Transaktion – etwa eine Überweisung – als Hash (unveränderbarer Code) in der Blockchain gespeichert und dann wieder mit allen Rechnern im Netzwerk geteilt. So liegen jedem Partner im Netzwerk die aktuellsten Daten vor und Smart Contracts gelten als fälschungssicher.

Smart Contracts sind auf Ereignisse beschränkt, die digital überprüfbar sind. Wenn eine Leistungserbringung oder ein anderes Ereignis, das für die Vertragsparteien von Interesse ist, nicht digital abbildbar ist, so kann auch kein Smart Contract angewendet werden. Es sind also informationstechnische Schnittstellen erforderlich, über welche der tatsächliche Leistungsaustausch erfasst werden kann und die dieses Ereignis einem Smart Contract digital zugänglich machen können. Ein Beispiel für solche Schnittschnellen, ist das Blockchain-fähige IoT-Device von Blockchain Europe.

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